Die Fächer der Vorklinik – Anatomie und Histologie

Das erste Fach, das Ihnen bei dem Gedanken an das Medizinstudium in den Sinn kommt, ist sicherlich die Anatomie. Das wichtigste und umfangreichste Fach der Vorklinik beschäftigt sich sozusagen mit dem Bauplan des Menschen und fasziniert mit dem Präparierkurs. Die Anatomie lässt sich in die mikroskopische Anatomie, Histologie genannt, die makroskopische Anatomie und die Embryologie unterteilen. Für jeden dieser Teile gibt es eine Vorlesung und einen Kurs. Meist werden Sie in mündlichen Testaten geprüft, eventuell auch in einer zusammenfassenden Klausur. Anatomie ist ein großer Bestandteil des Physikums.

Aufstehen, Frühstück, PräpsaalDer an der Universität kurz „Präpkurs“ genannte Teil des Faches ist bei den Studenten berühmt oder besser berüchtigt für das hohe Lernpensum und den ersten Kontakt mit Verstorbenen, an deren Körpern das neu erworbene theoretische Wissen in die Praxis umgesetzt wird. Vielleicht waren Sie in einer der „Körperwelten“ Ausstellungen, die es unter anderem in Deutschland zu sehen gab. Die Leichen, die dort gezeigt werden, sind allerdings plastiniert und mit den in Formalin konservierten Körpern aus dem Präparierkurs nicht zu vergleichen. Bewahren Sie sich während des Präparierens die Ehrfurcht vor dem Leben und die Dankbarkeit den Menschen gegenüber, die ihre Körper der Anatomie gespendet haben. In Ihrem Kurs wird Ihnen sicherlich zuerst der strenge Geruch des Formalins auffallen. Nehmen Sie sich am besten Kleider zum Wechseln mit , denn selbst unter dem vorgeschriebenen Kittel sind Sie nicht ausreichend geschützt. Eigentlich hilft sowieso nur eine Dusche nach jeder Präpariereinheit, denn auch in den Haaren setzt sich der beißende Geruch hartnäckig fest. Nachdem Sie die ersten Berührungsängste überwunden haben, wird Sie sicher die Faszination packen. Sie haben in diesem Kurs die einmalige Gelegenheit, den menschlichen Körper im Original bis ins Detail kennenzulernen. Nerven werden frei präpariert, Muskeln dargestellt und der Lehrstoff wird anschaulich. Makroanatomie wird alles genannt, was mit dem bloßen Auge erkennbar ist. Sie werden den genauen Aufbau jeden Organs studieren und sämtliche Muskeln mit Ansatz, Ursprung und Innervation auswendig lernen. Dazu die Namen der Knochen, das Blutgefäßsystem und alle Organsysteme im Detail. Niemand hat gesagt, dass die Vorklinik leicht wird.

Vorlesung oder Schreibtisch?

Gehen Sie auf jeden Fall am Anfang des Semesters in die Vorlesung für Anatomie. Die Erfahrung der Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter hilft Ihnen dabei, schneller einen Überblick über den umfangreichen Stoff zu bekommen. Sie können sich mit Ihren Kommilitonen austauschen und Lerngruppen bilden. Interessant wird der Unterricht besonders dann, wenn der Dozent Brücken zu Erkrankungen schlägt, für deren Verständnis Sie die Anatomie brauchen. Der Inhalt der Vorlesung wird durch die verschiedenen Körperbereiche strukturiert: Kopf und Hals, obere und untere Extremität, Thorax, Abdomen und natürlich die Eingeweide. Besonders umfangreich ist für gewöhnlich das Testat zu Kopf und Hals, da es das Gehirn und somit die Neuroanatomie einschließt. Haben Sie mehr davon, den Stoff in Ruhe zu Hause durchzuarbeiten, lassen Sie die Vorlesung ausfallen.

Anatomie unter dem Mikroskop – die Histologie

Das Fach Histologie ist die Lehre von Zellen und Geweben. Unter dem Mikroskop tun sich ganz neue Welten auf. Sie werden viel Zeit mit dem Betrachten und Zeichnen der verschiedenen Zellen und Gewebearten verbringen. So erwerben Sie wichtige Grundlagen für die Zeit nach der Vorklinik, wenn es darum gehen wird, gesundes von krankem Gewebe zu differenzieren. Ein gutes Auge für das Detail kann sich jeder Student antrainieren. Es hilft nur, viel Zeit vor dem Mikroskop zu verbringen, auch außerhalb der Kurszeiten. Sowohl der Präpariersaal als auch das Histologielabor sind für gewöhnlich lange geöffnet und für die Kursteilnehmer zugänglich. Nutzen Sie die Zeit, um den gelernten Stoff zu vertiefen und für die Testate gut vorbereitet zu sein.

Am Anfang war die Embryologie

Viele Zusammenhänge in der Anatomie machen erst Sinn, wenn Sie gesehen haben, wie die embryonale Entwicklung verlaufen ist. Daher verfolgen Sie in der Embryologie die Entstehung des menschlichen Lebens von der Verschmelzung der Eizelle und der Samenzelle bis zur Geburt und darüber hinaus. Viele Anatomie-Institute lassen Embryologie und makroskopische Anatomie parallel laufen und prüfen an der Leiche nicht nur die Organe, sondern auch deren Entstehungsweg. Für viele Prüfer reicht hier allerdings eine Zusammenfassung der Embryologie und dieses Fachwissen ist eher das Tüpfelchen auf dem I und nicht unbedingt relevant, um das Testat zu bestehen.

Anatomie am Lebenden

Um der Anatomie etwas Leben einzuhauchen, gibt es den Kurs „Anatomie am Lebenden“. Hier dürfen Sie aktiv werden und mit Ihren Kommilitonen zusammen den lebendigen menschlichen Körper entdecken. Funktionen wie die Atmung oder der Herzschlag werden erstmalig untersucht, denn dafür haben Sie im Präparierkurs natürlich keine Gelegenheit mehr. Nutzen Sie all diese Gelegenheiten, um sich das trockene Wissen besser merken zu können. Wer die echten Organe gesehen und gefühlt hat, wird sich besser an Details erinnern. Aus diesem Grund wird wohl auch der Präparierkurs in naher Zukunft nicht von einem computeranimierten Labor ersetzt werden.

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