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Die Vorklinik im Medizinstudium

Die Vorklinik im Medizinstudium

Der erste Abschnitt des Medizinstudiums, welcher mit dem 1. Staatsexamen – dem sogenannten Physikum – abschließt, ist die Vorklinik. Wie der Name bereits verrät, werden hier nicht in erster Linie klinisch-praktische Inhalte vermittelt, sondern naturwissenschaftliche Grundlagen gelegt, die den Studierenden dem Verständnis für den hochkomplexen menschlichen Organismus näherbringen sollen. Nach vier Semestern intensiven Lernens und zahlreichen Praktika in verschiedenen Fächern erreicht man den zweiten, wesentlich praxisrelevanteren Studienabschnitt – die sogenannte Klinik.

Fächer der Vorklinik im Überblick

Tipps und Tricks

Anatomie und Histologie

„Du studierst Medizin? Kommst Du denn damit klar an Leichen zu schnippeln?“ An diese oder ähnliche wenig respektvolle Aussagen sollte man sich gewöhnen, wenn man im Gespräch Unwissenden davon erzählt, dass man sich für ein Medizinstudium entschieden hat. Die Reaktion belegt aber, dass viele Menschen mit der Medizin zuallererst die Anatomie verbinden, weil sie wohl eines der faszinierendsten Fächer ist.

Studieninhalte werden in Vorlesungen und Seminaren vermittelt. Außerdem sind Kurse in der makroskopischen Anatomie (Präparierkurs) wie mikroskopischen Anatomie (Mikroskopierkurs) zu absolvieren. Die Fülle an Stoff ist erheblich und oft ist hier Auswendiglernen gefragt. Muskeln mit Ursprung und Ansatz, nervale und vaskuläre Versorgung – nicht nur das sollte im Testat am Präparat bzw. in der Klausur sitzen.

Der Präparierkurs – oder kurz Präp-Kurs – wird von vielen sehnsüchtig erwartet, von anderen mit eher gemischten Gefühlen begonnen. Das Studium des menschlichen Körpers an Verstorbenen ist Ehre und Tabubruch zugleich, die größer nicht sein könnten. Wie könnte man besser lernen, als das im Anatomie-Atlas Abgebildete selbst zu entdecken, zu präparieren, anzufassen – im wahrsten Sinne des Wortes zu „begreifen“. Sollte es ein Gefühl des Unwohlseins geben, legt sich dies meist schnell. Zu groß ist die Faszination und das Interesse für das, was man tun und lernen darf. In der Regel hat jeder Studierende ein eigenes Präpariergebiet, dass er nach einer Präparieranleitung bearbeiten darf. Der Kurs der makroskopischen Anatomie nimmt vergleichsweise viel Zeit in der Vorklinik in Anspruch. Dies ermöglicht eine wirklich intensive Auseinandersetzung, die auch nötig ist, um die Fülle an Wissen zu verinnerlichen.

Der Kurs der mikroskopischen Anatomie findet, wie der Name sagt, am Mikroskop statt. Es handelt sich also um die Anatomie „im Kleinen“, die Histologie. In der Vergrößerung tun sich neue Welten von Geweben und Zellen auf. Genaues Betrachten und Zeichnen sind der beste Weg um für die Klausur fit zu sein. Es lohnt sich auch außerhalb der Kurszeiten, Zeit am Mikroskop zu verbringen. Ein geschultes Auge kann man sich antrainieren. Nur, wer das gesunde Gewebe genau kennt, wird es später in der Klinik vom kranken unterscheiden können.

Physiologie

Das Fach Physiologie sorgt in Zusammenschau des bisher in den Grundlagenfächern erworbenen Wissens für Begeisterung. Der direkte Bezug zum menschlichen Organismus und seiner Funktionsweise lässt dem wissensdurstigen Mediziner das Herz aufgehen. Die Physiologie ist ein sehr praxisbezogenes Fach, das von Versuchen und Beobachtung lebt.

Studieninhalte werden in Vorlesungen, Seminaren und Praktika vermittelt. Herzerregung, Herzmechanik, Atmung, Muskulatur und Motorik, Energie und Thermoregulation sind nur eine Auswahl der Themen. Besonders in Seminaren und Praktika ist Mitdenken und vor allem Mitmachen gefragt. Immer wieder wirst Du oder Deine Mitstudierenden Teil der Versuche sein. Na, wer hat Lust im Praktikum zum Thema Kreislaufbelastung bis an seine Leistungsgrenze zu gehen?

Für die meisten Praktika müssen Protokolle angefertigt werden, bei denen es gilt eine streng vorgegebene Form zu wahren. „Doktorschrift“ also bitte bis zur Klinik aufsparen.

Physik

Ein wichtiges Grundlagenfach und eines der ersten im Medizinstudium ist die Physik. Ein Grundlagenverständnis für Mathematik ist mehr als hilfreich. Es wird umgerechnet, ausgerechnet, verrechnet – aber umso besser, denn aus Fehlern lernt man. Noch wichtiger ist jedoch ein Grundverständnis für physikalische Sachverhalte, die nicht nur in weiteren Fächern der Vorklinik, sondern auch später in der Klinik zum Tragen kommen.

Zu absolvieren sind Vorlesungen und Praktika. Mechanik, Wärmelehre, Elektrizitätslehre, Schwingungen und Wellen, Optik, Ionisierende Strahlung sind einige der großen Themenbereiche. Der Physik-Schein ist oft Voraussetzung zur Teilnahme an Praktika und Seminaren im Fach Physiologie.

Biochemie und Molekularbiologie

Die Biochemie – eine harte Nuss im Medizinstudium, die zu knacken aber nicht unmöglich ist. Der Lernaufwand für dieses Fach ist nicht zu unterschätzen. Die Biochemie beleuchtet den menschlichen Körper auf zellulärer Ebene. Du lernst die Vorgänge kennen, die den Organismus biochemisch am leben halten. Es geht zum Beispiel um den gesamten Stoffwechsel in seinen molekularen Details. Wie sind Kohlenhydrate aufgebaut und was ist ihre Aufgabe? Wie funktioniert der Fettstoffwechsel und was machen eigentlich Proteine und Aminosäuren im menschlichen Körper?

Studieninhalte werden in Vorlesungen, Seminaren und Praktika vermittelt. In der Regel gibt es sogenannte An- und/oder Abtestate, die bestanden werden muss um zum Praktikum zugelassen zu werden bzw. es abschließen zu dürfen. Zur Anwendung kommt eine Mischung aus Auswendiglernen und dem Erlangen von Verständnis komplizierter Stoffwechselprozesse, die sehr zeitintensiv ist.

Was macht aber das Fach Biochemie so kompliziert? Die Zusammenhänge sind detailreich und komplex.  Beim Lernen kannst Du unendlich in die Tiefe gehen und es fällt schwer zu entscheiden, welche Fakten wirklich relevant für die verschiedenen Prüfungen sind. Es lohnt sich eine Brücke zur Klinik zu schlagen, indem man sich klar macht, was geschieht, wenn eben diese biochemischen Prozesse nicht nach Plan ablaufen. Schnell wird klar, warum Du all das Grundlagenwissen als Mediziner brauchen wirst. Der menschliche Organismus wird zu einem riesigen Reagenzglas, gefüllt mit zusammenhängenden Reaktionen. Und einmal richtig eingetaucht, kann es schwer sein, sich von der einen packenden Faszination zu lösen.

Biologie für Mediziner

Die Biologie ist eines der Grundlagenfächer der Medizin. Mit dem in der Schule vermittelten Wissen kommt man aber doch relativ schnell an seine Grenzen. Die Geschwindigkeit und Intensität der Vermittlung von Fachinhalten sind im Studium einfach andere, als gewohnt.

Zu absolvieren sind Vorlesungen und Praktika. Themenkomplexe wie Zellbiologie, Immunbiologie, Mikrobiologie und Genetik werden behandelt. Auch hier sind An- und/oder Abtestate die Regel.

Chemie für Mediziner

Wer mit Chemie bisher nicht viel am Hut hatte, sollte gut vorarbeiten oder im Semester kontinuierlich und intensiv arbeiten. Es werden wichtige Grundlagen vor allem für die Biochemie gelegt.

Zu absolvieren sind Vorlesungen und Praktika. Grundlagen der Allgemeinen und Anorganischen Chemie, wie auch Grundlagen der Organischen Chemie werden vermittelt. Atombau, chemische Bindungen …  – schonmal was vom Chemischen Gleichgewicht und Massenwirkungsgesetz gehört?

Medizinische Psychologie und Soziologie

„Also ich könnte das ja nicht – Patienten erklären, dass sie todsterbenskrank sind.“ Was kannst Du entgegnen als angehender Medizinstudent. Das lernt man doch alles im Studium… oder ich weiß auch noch nicht, ob ich das kann? Kann man so etwas wirklich lernen oder liegt einem das Einfühlungsvermögen, das heilende Wort im richtigen Moment im Blut? Fest steht: das erste brauchbare Handwerkszeug bekommt man im Fach Medizinische Psychologie und Soziologie.

In Vorlesungen, Seminaren und einem sogenannten Gesprächsführungskurs werden die Studieninhalte vermittelt. Neben all dem naturwissenschaftlichen Wissen in der Vorklinik kann dieses Fach eine erfrischende Abwechslung sein. Gesundheits- und Krankheitsmodelle, Arzt-Patienten-Beziehung, Grundlagen der Kommunikation sind nur einige ausgewählte Themen.

Besondere Erwähnung soll der Gesprächsführungskurs finden, der in Kleingruppen stattfindet. Neben theoretischem Wissen kommt es hier auch auf praktische Fähigkeiten in zunächst sehr einfachen, später immer komplexer und schwieriger werdenden Situationen an. Tatsächlich kann hier erahnt und trainiert werden, welche Gesprächsherausforderungen der ärztliche Alltag bereithält. Könntest Du einem Patienten eine tödliche Diagnose vermitteln? Du kannst lernen, welche Rahmenbedingungen zu schaffen sind und was Du beachten solltest. In der Realität wird keine Situation wie die andere sein, aber Du bekommst einen roten Faden an die Hand. Dafür lohnt sich Engagement und Motivation auch in diesem Fach, auch, wenn es neben zeitfressenden Fächern wie Biochemie und Anatomie oft zu kurz kommt.

Medizinische Terminologie

„Kannst Du denn gut Latein, wenn Du Medizin studierst?“ …ähm – Nein! Grundkenntnisse in Latein sind heute keine Voraussetzung mehr für ein Medizinstudium. Natürlich benutzt man in der Anatomie viele vor allem lateinische Termini, aber man arbeitet sich auch als Nicht-Lateiner schnell in diese Fachsprache ein. Trotzdem muss geübt werden. Was gäbe es blöderes als einen Mediziner, der selbst nicht versteht, was er sagt?

Zu absolvieren ist eine Vorlesungsreihe sowie ein Praktikum, in dem geübt wird, um in der Klausur fit zu sein. Deklinieren, Wortstämme kennzeichnen, griechische oder lateinische Wortherkunft? Hier kommt der Sprachbegabte auf seine Kosten. In der Regel ist alles sehr systematisch – doch man wird schnell begreifen: genügend Ausnahmen bestätigen die Regel. Latein- und/oder Griechischkenntnisse sind von Vorteil, aber nicht zwingend notwendig.

Wahlfach

Leider gibt es sehr wenige Wahlmöglichkeiten im gesamten Medizinstudium. Der Stundenplan ist insgesamt sehr „verschult“ und die meisten Veranstaltungen sind mit einer Anwesenheitspflicht versehen. Im Wahlfach hat man die Möglichkeit, je nach Angebot der Fakultät, nach seinen ganz persönlichen Interessen zu gehen. Eine Seminarreihe zur Homöopathie oder Sexualmedizin? Beschäftigung mit Global Health oder landärztlicher Praxis? Medizingeschichte oder Präparieren für Fortgeschrittene? Du darfst entscheiden.

Einführung in die Klinische Medizin

Endlich soll das Gelernte theoretische Wissen zur Anwendung gebracht werden. Ja, tatsächlich hat das Pauken einen Sinn, der sich spätestens jetzt erschließt. Zum ersten Mal haben die Studierenden Kontakt zu ärztlichen Kollegen aus der Klinik. Es werden konkrete Krankheitsbilder, Untersuchungstechniken und Therapiemethoden besprochen – unter Einbeziehung des bereits in der Vorklinik erlangten Wissens. Ein erstes Schnuppern in den klinischen Alltag, das von vielen sehnsüchtig erwartet wird.

Berufsfelderkundung

Innerhalb der ersten vier Semester ist ein Praktikum zur Erkundung verschiedener ärztlicher Berufsfelder zu absolvieren, und zwar außerhalb traditioneller Betätigungsfelder wie Praxis oder Klinik. Eine Hospitation in einer Suchtberatung, Einblick in die Arbeit des Gesundheitsamtes oder der Krankenkasse. Du kannst Dir selbst eine Institution heraussuchen, solltest aber sicher gehen, dass eine Hospitation dort auch von Deiner Fakultät anerkannt wird.

Zeitmanagement

Das Lernpensum in der Vorklinik ist riesig und man sollte sich von Beginn an bewusst sein, dass alles zu wissen nahezu unmöglich ist. Dennoch: der gemeine Medizinstudent ist ehrgeizig und erfolgsorientiert. Es gilt, das allerbeste herauszuholen. Entscheidend dafür ist die richtige Herangehensweise.

Zu Beginn des ersten Semesters ist jeder Student quasi erschlagen von der Flut an Informationen und Anforderungen, die ihn erwarten. Das erste was Studienanfänger also lernen sollten, ist sich nicht ohne Orientierung wahllos alles ins Gehirn zu pauken, was in den dicksten Fachbüchern steht. Betrachte Deine Zeit als Budget. Wie teilst Du sie am effektivsten ein? Frag Kommilitonen in den Semestern über Dir, was es in welchem Kurs zu beachten gibt. Besorg Dir Prüfungsprotokolle und Altklausuren, beginne mit Kurzlehrbüchern. Kleiner Tipp: Lies zuerst das Inhaltsverzeichnis, so erhältst Du erstmal einen ganz groben Überblick und verlierst Dich nicht in Details. Es gilt eine Struktur, eine Art Gerüst zu bauen, dass Du Schublade für Schublade mit Wissen füllst.

Manche lernen am besten nach genauem Lern- und Zeitplan, in dem Inhalte für bestimmte Tage festgelegt sind. Wichtig ist dabei, dass auch ausreichend Pausen und Erholungsphasen eingeplant sind.

Ob Du im Hörsaal an der Uni sitzt oder zu Hause bei Dir am Schreibtisch entscheidest Du selbst. Nicht jede Veranstaltung, jede Vorlesung lohnt es, besucht zu werden. Schau Dir am Anfang an bei welchen Dozenten Du wirklich was mitnimmst und gut lernen kannst. Andere mit deren Vortragsstil Du nicht gut zurecht kommst, musst Du nicht besuchen. Nutze die Zeit besser sinnvoller, indem Du Dir die Inhalte selbst anliest. Dies erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Selbstorganisation. Willkommen im Studium!

Lass Dich von diesen anstrengenden Aussichten nicht verunsichern. Jeder Mensch kommt mit dem Lernen und mit dem Prüfungsstress anders zurecht. Es gibt eine Vielzahl an Lernmethoden, die Du für Dich nutzen kannst. Man wächst mit seinen Aufgaben. Der lange Weg lohnt sich auf jeden Fall, denn an seinem Ende steht der vielfältige und herausfordernde Beruf des Arztes oder der Ärztin, der  Dir keinen Tag in Deinem Leben langweilig wird.

Gemeinsames Lernen

Eine Besonderheit des Medizinstudiums im Vergleich zu vielen Bachelor- oder Masterstudiengängen ist die Studienorganisation. Der Medizinstudent gehört in der Regel einer festen Kleingruppe von Studenten an, die gemeinsam Seminare, Praktika und Vorlesungen absolvieren. Der Stundenplan ist konkret festgelegt. Alle Fächer müssen mit einer bestimmten Stundenzahl belegt werden um zur Ersten Ärztlichen Prüfung – dem Physikum – zugelassen zu werden.

Die Zuteilung zu einer festen Kleingruppe kann ein großer Vorteil sein, wenn die Studierenden sich auch als gemeinsame „Lerneinheit“ begreifen. Zusammen paukt es sich einfach besser, als allein am Schreibtisch. Letztendlich ist es aber eine Typfrage, wie man sich der Fülle an Stoff im Medizinstudium stellt. Umso eher man es für sich selbst herausfindet, umso besser.

Durchgerasselt. Was nun?

Ein guter Student fällt mindestens einmal in seiner Universitätskarriere durch eine Klausur. Es ist also keine Schande, eine Prüfung zu wiederholen. Bis zu dreimal ist dies in der Regel möglich. Bevor man zum Physikum zugelassen werden kann, müssen aber alle Klausuren bestanden, Seminare und Praktika absolviert sein. Gerade Studierende, die aus der Schule sehr gute Leistungen gewohnt sind, reagieren oft verunsichert, wenn Prüfungen nicht mit einer sehr guten Leistung abgeschlossen oder auch nicht bestanden werden. An der Universität im Medizinstudium werden einfach andere Maßstäbe angelegt.

Multiple Choice

Die meisten Klausuren, wie auch die schriftlichen Staatsexamina, sind mit Multiple Choice Fragen konzipiert. Der ein oder andere wird dies vielleicht aus der Schule kennen, dort ist es aber eher nicht die Methode der Wahl. Es gibt fünf Antwortmöglichkeiten – A bis E – von denen nur eine richtig ist. Auf den ersten Blick klingt das wenig problematisch, dennoch können schon viele Fallen in der Formulierung der Fragen versteckt sein. Außerdem sind die Aufgaben mitunter so gestellt, dass Aussagen kombiniert werden müssen oder falsche Aussagen ausgeschlossen werden sollen. Eine hohe Konzentrationsfähigkeit rettet Dich vorm Knoten im Gehirn, der sich dennoch manchmal nicht verhindern lässt. Es lohnt sich, sich im Vorfeld mit diesem Fragentyp auseinanderzusetzen, um blöde Fehler zu vermeiden. Oft wird man unsicherer, je öfter man eine Frage liest. Dann gilt: Hör auf Dein Bauchgefühl. Die zuerst für richtig erachtete Antwort, ist meist die richtige.

Erster Uni-Tag

Wenn er nun heranrückt der erste Tag als Medizinstudent an der Uni, die Nervosität und Vorfreude riesig sind, die Spannung kaum auszuhalten ist und es endlich losgeht, das oft lang ersehnte Wunschstudium, solltest Du Dir eins klar machen: Du bist ein Medizinstudent im ersten Semester! Niemand kommt als Arzt oder Ärztin auf die Welt. Du hast einen langen, anstrengenden, manchmal steinigen, aber wunderbaren Weg vor Dir bis Du mit der Dritten Ärztlichen Prüfung Dein Studium abschließt. Bis dahin vergehen mindestens sechs Jahre, die Du entweder zu 120% deinem Medizinstudium widmest oder Dir auch Zeit nimmst für Freizeitaktivität, Nebenjob, Familie, Studentenleben… Es liegt bei Dir.

Gerade zu Beginn ist es aber wichtig am Ball zu bleiben, sonst kann es passieren, dass Du bei der Fülle an Stoff den Überblick verlierst. Es prasseln so viele neue Informationen, neue Menschen, neue Umgebungen auf Dich ein, die es zu filtern und zu sortieren gilt.

Pflegepraktikum

Während der vorklinischen Ausbildung ist ein dreimonatiger Krankenpflegedienst abzuleisten. Der Medizinstudent soll einen Einblick in Betrieb und Organisation eines Krankenhauses bekommen und sich außerdem mit der üblichen Krankenpflege vertraut machen.

Viele absolvieren zumindest einen Teil des Praktikums auch schon vor Beginn des Medizinstudiums. Ansonsten gilt, dass es in der vorlesungsfreien Zeit in einem Krankenhaus auf einer bettenführenden Station stattfinden muss. Für den Nachweis gibt es bestimmte Formulare, die später genau in der Form zur Zulassung zum Physikum eingereicht werden müssen. Wer eine Ausbildung in pflegerischen Bereich, als Hebamme oder im Rettungsdienst hat bzw. als FSJler/BuFdi/Zivi in der Pflege gearbeitet hat, kann sich diese Zeit anrechnen lassen und muss kein zusätzliches Praktikum ableisten.

Dem ein oder anderen erscheint das Pflegepraktikum als lästig, zeitraubend und nicht zielführend. Oft gibt es kaum Berührungspunkte mit ärztlichen Kollegen. Bei der Visite mitzugehen ist ein Glücksfall. Mitunter ist der Pflegeaufwand auf den Stationen so hoch, dass jede helfende Hand dringend gebraucht wird. Es bleiben allerdings eindrückliche Erfahrungen im Umgang mit Patienten. Nie wieder wird man so viel Zeit haben sich mit einzelnen Patienten auszutauschen, zuzuhören, Lebensgeschichten zu erforschen und ganz nebenbei noch medizinische Fertigkeiten (Vitalparameter erheben, Blut abnehmen) zu erlernen. In einem kollegialen Pflegeteam kann die Arbeit zwar anstrengend, aber sehr erfüllend sein. Außerdem ist es eine willkommen Abwechslung vom Schreibtischalltag während der Vorlesungszeit. Endlich mal mit anpacken!

Auswahlgespräch Medizinstudium

hochschule adh

Bei einigen Universitäten ist es mit der Bewerbung zum Medizinstudium nicht getan. Zusätzlich soll mit einem Auswahlgespräch der Hochschulen im AdH (Auswahlverfahren der Hochschulen) herausgefunden werden, ob der Bewerber geeignet ist. Hier erfährst du, was dich erwartet und auf was du bei der Vorbereitung zum Auswahlgespräch achten solltest.

In diesem Beitrag:
Was ist ein Auswahlgespräch?
Welche Universitäten führen es durch
Typische Fragen beim Auswahlgespräch
So bereitest du dich am besten auf dein Auswahlgespräch vor
Tipps für dein Auswahlgespräch: So vermeidest du Fehler
Fazit: Vorbereitung zahlt sich beim Auswahlgespräch für das Medizinstudium aus

Was ist ein Auswahlgespräch

Du möchtest dich um einen Studienplatz im Fachbereich Medizin bewerben? Dabei handelt es sich um einen der bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengänge in Deutschland. Bevor Du die Zulassung zum Studium erhältst, wirst Du wohl oder übel einige Wartesemester vor dem Medizinstudium in Kauf nehmen müssen. Für die Zulassung gibt es drei Quoten. 20 Prozent der Plätze gehen an die Abiturbesten, weitere 20 Prozent an Bewerber mit Wartezeit. Die restlichen 60 Prozent werden nach dem Ergebnis des Auswahlverfahrens der Hochschulen (AdH) vergeben. Jede Universität entscheidet selbst, wie sie im AdH die Studienplätze vergibt. Es können mehrere Auswahlkriterien verwendet werden, die in der Satzung der Hochschule festgelegt werden. Eines dieser Kriterien ist das Auswahlgespräch.

Welchen Zweck hat ein Auswahlgespräch?

Im Auswahlgespräch möchte die Hochschule bzw. Universität einen persönlichen Eindruck von Dir bekommen. Die Eignung für und realistische Erwartungen an das Medizinstudium sollen eingeschätzt werden. Anhand des Auswahlgespräches beurteilt ein Auswahlkomitee, welche Bewerber gute Aussichten auf einen erfolgreichen Abschluss des Studiums haben. Studienabbrüche sollen verhindert werden. Zusätzlich kann es auch um die Auswahl einer Elite gehen. Je nach Hochschule können sich die Auswahlgespräche der Hochschulen im AdH deutlich unterscheiden.

Typischer Ablauf eines Auswahlgespräches

Der Ablauf des Auswahlgespräches ist von Hochschule zu Hochschule sehr unterschiedlich. Manchmal sitzt man nur einer einzigen Person gegenüber, manchmal besteht das Auswahlkomitee aus mehreren Personen. In einigen Fällen führt jeder Bewerber ein Einzelgespräch mit der Jury, in anderen Gesprächen werden zwei oder drei Studienbewerber gemeinsam befragt. Deshalb ist auch die Dauer variabel. Ein Auswahlgespräch kann zwischen 15 und 60 Minuten dauern.

Wenn du mehr über den genauen Ablauf und die Dauer an deiner Hochschule wissen möchtest, kannst du über die sozialen Netzwerke oder die medizinische Fachschaft Informationen erhalten.

Welche Hochschulen bieten das Auswahlgespräch zum Medizinstudium an?

Folgende deutsche Hochschulen führen persönliche Auswahlgespräche für das Medizinstudium durch:

Daneben gibt es noch einige private Hochschulen, die Auswahlgespräche als eines ihrer Kriterien zur Vergabe der Studienplätze nutzen:

Typische Fragen im Auswahlgespräch

Auswahlgespräche können sehr unterschiedlich aussehen. Sie unterscheiden sich von Hochschule zu Hochschule und von Jury zu Jury. Viele Fragen wiederholen sich jedoch und auf diese kannst du dich sehr gut vorab vorbereiten. Fragen zu den folgenden Themenkomplexen werden in vielen Auswahlgesprächen gefragt.

Deine Motivation für das Medizinstudium

Die Hochschule möchte im Auswahlgespräch von dir erfahren, warum du dich für ein Studium der Medizin entschieden hast und warum du an genau dieser Hochschule studieren möchtest. Deshalb werden dir Fragen gestellt, die deine Studienwahl betreffen. Typische Frage können sein:

  • Warum möchten Sie Medizin studieren? Und warum nicht vielleicht Pharmazie oder Humanbiologie?
  • Was wissen Sie über den Ablauf im Studiengang?
  • Welche Fächer / Module / Praktika interessieren Sie am meisten?
  • Welche beruflichen Pläne haben Sie?
  • Haben Sie bereits praktische Erfahrung im medizinischen Umfeld gesammelt?
  • Warum bewerben Sie sich gerade an dieser Hochschule?
  • Welche Eigenschaften sollte ein Arzt Ihrer Meinung nach haben? Oft gefolgt von der Anschlussfrage: Haben Sie diese Eigenschaften?
  • Warum sind Sie ein geeigneter Kandidat für diesen Studiengang?

Vorkenntnisse und praktische Erfahrungen

Es ist keine Grundvoraussetzung, aber gibt natürlich Pluspunkte, wenn du bereits in den Arztberuf hineingeschnuppert hast, zum Beispiel bei einem Pflegepraktikum. Wer eine Wartezeit auf das Studium überbrücken muss, kann diese Zeit ideal nutzen, um durch ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder ein Vorsemester Medizin wichtige Erfahrungen zu sammeln und dadurch seine Chancen im Auswahlgespräch zu verbessern.

Hast du bereits ein Pflegepraktikum oder andere Praktika absolviert, wirst du vielleicht danach gefragt, wie dein Eindruck war, was dir dort positiv aufgefallen ist und was du verändern würdest. Praktikumsscheine, Zeugnisse oder andere Belege am besten mitnehmen. Fragt jemand genauer nach, kannst du anbieten, den Schein zu zeigen.

Weitere typische Fragen

Zusätzlich gibt es weitere Fragen, die häufig gestellt werden:

  • Erzählen Sie uns etwas über sich: Wo kommen Sie her? Wie ist Ihr Werdegang?
  • Was sind Ihre Stärken und Schwächen?
  • Haben Sie Vorbilder? (allgemein und im medizinischen Bereich)
  • Was machen Sie in Ihrer Freizeit? Welche Hobbys haben Sie?
  • Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?
  • Wie werden Sie Ihre Studienzeit finanzieren?
  • Was erwarten Sie von einem zukünftigen Arbeitgeber?

Es können in Einzelfällen auch Fragen zur aktuellen Gesundheitspolitik, Gesundheitsreformen, zum Ärztewesen oder der Situation in Krankenhäusern gestellt werden. Mehr zum Umgang mit unerwarteten Fragen findest du im Kapitel „Tipps für das Auswahlgespräch“.

So bereitest du dich am besten auf dein Auswahlgespräch vor

Die richtige Vorbereitung hilft nicht nur dabei, dass du im Auswahlgespräch die Fragen souveräner beantworten kannst. Sie nimmt auch Nervosität und sorgt dafür, dass du entspannter und gelassener in das Gespräch gehst. Dabei geht es nicht nur um eine fachliche Vorbereitung, sondern auch um persönliche Aspekte. Medizinisches Fachwissen ist nicht nötig, du musst zur Vorbereitung also keine Fachbücher wälzen.

Im Folgenden findest du Tipps, was alles zu deiner Vorbereitung gehören sollte:

Informationen sammeln

Zunächst ist vor allem wichtig, dass du dich umfassend informierst. Über die folgenden Punkte solltest du Bescheid wissen.

Die Hochschule: Oft wird gefragt, warum du dich gerade für diese Hochschule bewirbst. Manchmal wird gewünscht, dass die Studierenden eine enge Verbundenheit mit der Hochschule haben. Du solltest deshalb wissen, was die Hochschule von anderen unterscheidet.

Die Stadt: Einige Details zu deiner möglichen neuen Studienstadt solltest du vorher heraussuchen. Es macht im Gespräch einen schlechten Eindruck, wenn die Jury bei Rückfragen spürt, dass du nichts über die Stadt weißt.

Das Studium: Schaue dir vorher die im Internet zu findenden Informationen über den Studiengang an. Einige Hochschulen stellen Beispielstundenpläne, Videos oder Modulübersichten zur Verfügung. Nutze diese Ressourcen, damit du im Gespräch mit einer genauen Vorstellung vom Medizinstudium punkten kannst.

Fragen und Antworten: Informiere dich über die häufig gestellten Fragen und bereite Antworten vor. Informationen über die Auswahlgespräche oder Gesprächsprotokolle findest du online oder bei der medzinischen Fachschaft der Hochschule. Natürlich kannst du gerne auch unsere oben genannten Beispielfragen zur Vorbereitung nutzen.

Reflektieren

Mache dir vor dem Auswahlgespräch Gedanken über dich, dein Studienziel und deinen Berufswunsch. Stärken bzw. Schwächen und berufliche Ziele sind häufig Inhalt der gestellten Fragen.

Das Gespräch vorab üben

Gehörst du zu den Menschen, die nervös sind, wenn sie vor anderen sprechen? Dann empfiehlt es sich, die Situation mit Freunden oder der Familie mit typischen Fragen zu üben. Du kannst dich auch selbst dabei filmen oder bei deiner „Testjury“ nachfragen, ob deine Antworten authentisch und offen wirken. Achte dabei auch auf eine unverkrampfte Körpersprache.

Tipps: So vermeidest du Fehler im Auswahlgespräch

Die Prüfungs-ähnliche Situation und das Sprechen vor zukünftigen Professoren ist beim Auswahlgespräch oft die größte Herausforderung. Der Druck ist groß, da von der Einschätzung des Auswahlkomitees ja immerhin abhängt, ob du deinen Studienplatz bekommst. Mit den folgenden Tipps vermeidest du typische Fehler, die deine Erfolgsaussichten vermindern können.

Pünktlich sein

Es ist eigentlich selbstverständlich, aber natürlich solltest du pünktlich sein und lieber deutlich vor dem Termin schon da sein.

Die richtige Kleidung

Trage etwas, in dem du dich wohl fühlst. Die Kleidung sollte nicht zu leger (Flip-Flops im Sommer müssen nicht sein) und auf keinen Fall ungepflegt sein, aber auch nicht übertrieben formal (ein Anzug oder Kostüm sind nicht üblich).

Das richtige Verhalten im Gespräch

Für das Auswahlgespräch gibt es einige Tipps, die dir helfen, einen guten Eindruck zu hinterlassen:

  • Gehe bei Ankunft auf alle Gesprächspartner zu, gib ihnen die Hand und stelle dich vor.
  • Halte Blickkontakt bei der Begrüßung und im Interview.
  • Antworte nicht zu knapp, aber schweife auch nicht zu weit von der Frage ab.
  • Achte auf deine Körpersprache (z.B. aufrechte Haltung, keine verschränkten Arme).
  • Bewahre Ruhe und versuche, Nervosität nicht zu zeigen.

Wie reagiert man auf unerwartete oder schwierige Fragen?

Manchmal kommen im Auswahlgespräch Fragen, mit denen man einfach nicht gerechnet hat, oder die unfreundlich oder unpassend wirken. Es kann Absicht der Jury sein, dich mit einer schwierigen Frage bewusst aus dem Konzept zu bringen und zu sehen, wie du reagierst und wie emotional stabil du bist. Dem Auswahlkomitee geht es bei solchen Fragen mehr um deine Reaktion auf die Situation, als um eine spezielle Antwort. Wichtig ist deshalb: Werde nicht nervös, sage nicht „irgendwas“, bleib ruhig, versuche der Frage eine positive Wendung zu geben. Es ist absolut legitim zuzugeben, wenn du etwas nicht weißt.

Seriosität wahren

Manche Auswahlgespräche laufen sehr locker ab. Es wird hin und wieder gelacht. Humor und Entspanntheit sind gut. Davon solltest du dich jedoch nicht aus dem Fokus bringen lassen. Egal wie nett das Gespräch ist, lass dich nicht zu flapsigen Bemerkungen oder einem zu laxen Umgang mit Fragen hinreißen.

Fazit: Vorbereitung zahlt sich beim Auswahlgespräch für das Medizinstudium aus

Das Auswahlgespräch läuft je nach Hochschule und Auswahlkomitee immer etwas anders ab. Doch deine Chancen, nachdem du eingeladen wurdest, sind gut. Immerhin werden meist nur etwa doppelt so viele Bewerber eingeladen, wie verfügbare Studienplätze.

Durch eine überlegte und gezielte Vorbereitung kannst du deine Erfolgsaussichten im Auswahlgespräch deutlich erhöhen. Dabei solltest du nicht nur auf fachliche Informationen Wert legen. Überlege dir auch vorher, ob du Schwächen in der Gesprächsführung hast und arbeite an diesen. Auch das gehört zu einer guten Vorbereitung dazu. Besser ist es, authentisch zu wirken und die eigene Persönlichkeit darzustellen, als auswendig gelernte Antworten zu geben.

Wir wünschen viel Erfolg beim Auswahlgespräch!

Ist ein Vorsemester Medizin sinnvoll?

Ist ein Vorsemester Medizin sinnvoll
Natürlich kann man sich fragen, ob ein Vorsemester Medizin sinnvoll ist, wenn denn ein sehr gutes Abitur hingelegt worden ist und überdies im Netz zahlreiche Literatur zu finden ist, mit der man sich auf die diversen Tests im Selbststudium vorbereiten kann – wie auf den TMS, den HAM-Nat, den EMS (Schweiz) oder den MedAT (Österreich).

Es kann schon sein, dass dem Einen oder Anderen die dort zu findenden Hilfestellungen im Moment als ausreichend und zielführend erscheinen, einen dieser Tests mit sehr gutem Erfolg zu absolvieren und somit dem Ergattern eines Studienplatzes näher zu kommen. Und so finden sich natürlich Stimmen im Netz, die das Belegen eines Vorsemesters Medizin ganz generell für unnötig und überflüssig befinden. Schön für die, die in ihrer Selbsteinschätzung sich so sicher sein können! Und natürlich kann dieses Urteil eines Dritten leicht hergenommen und als Beruhigung unters Kopfkissen gelegt werden. Vielleicht aber liefe diese Haltung im Einzelfall auf ein sehr risikovolles „Spiel“ hinaus.

Ist von den o.g. Empfehlungsgebern bekannt, ob beispielsweise die Abiturausbildung durchgängig an einem Ort durchlaufen wurde oder ob ein Teil im Ausland stattgefunden hat, weshalb bestimmte Kernfächer wie Chemie oder Physik danach hier keine Fortsetzung gefunden haben? Sind in der Abiturphase möglicherweise auch falsche Entscheidungen getroffen worden – z.B. in der Wahl von Leistungskursen, weil der Studienwunsch Medizin sich erst relativ spät durchgesetzt hat? Ist jeder Lerntyp von vornherein gleichermaßen stark in Biologie und Mathematik? Sollte nicht jeder sich selbst befragen, ob und inwiefern er das große Missverständnis mit sich herum trägt, erfolgreiches Lernen sei auswendig büffeln, was bis zum Abitur ja auch ganz gut geklappt hat – auch wenn kurze Zeit später das Gedächtnis das jeweilige Kapitel gestrichen hat? Verfügt jeder wirklich über eingeübte Lerntechniken, mit denen die gewaltige Menge an Stoff im Studium bewältigt werden kann? Kann sich jeder von vornherein sicher sein, die erforderlichen Wege zum Verstehen und Anwenden in medizinischen Zusammenhängen zu finden? Wer ist schon an die Arbeit in Lerngruppen gewöhnt – aller Erfahrung nach ein unbedingtes Muss im Studium, wo doch bis zum Abitur eher der einsame Blick auf die eigenen Stiefelspitzen die Regel war?

Mit den oberschlauen Tippgebern ist es wohl ein wenig wie mit den Typus, den wohl jeder aus der Abiturzeit kennt: Da ist eine Klausur geschrieben worden, zu der lauthals verkündet wird, dass sie für ihn wohl sehr schlecht ausfallen werde – und genau in diesem Fall steht schließlich eine stolze EINS dahinter. Wem nützt also dieses Geschrei, außer dass es dem Schreihals sein Ego füttert?

Eine realistische Selbsteinschätzung ist für jeden selbst sowie für dessen Umfeld wohltuende Ausgangsposition, seinen Bildungsweg zu bestimmen.


Überdies ist wohl zu bedenken, dass keiner dieser Tests wiederholbar ist, d.h. klüger in der Selbsteinschätzung ist man erst danach – und dann kann man es nicht mehr ändern, wenn das Ergebnis des Tests nicht wie gewünscht ausgefallen ist, so dass letztendlich die Chance vertan sein könnte. Nun kann man sich auf keinen dieser Tests zu 100% vorbereiten – was wäre es sonst auch für ein Test, wenn die Frage schon vorher bekannt wären. Aber die Methodik, die Herangehensweise, das Arbeiten mit Zeitlimit etc., das kann sehr wohl vorab geübt werden. Dies schließt ein, sich mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden der Tests vertraut zu machen, um zu einer begründeten Entscheidung zu kommen, zu welchem Test man sich anmeldet. Beispielsweise steht bei dem TMS weniger die Notwendigkeit im Zentrum, zu rechnen, sondern zu denken und Zusammenhänge zu erkennen.

Weiterhin kann es bei ernsthaftem Studienwunsch Medizin ja nicht nur um das Sichern einer Eintrittskarte gehen, sondern dann soll natürlich auch der ganze Film ablaufen. So verständlich es ist, als Studienbewerber sich zunächst auf die Frage der Zulassung zu einem Studienplatz und somit auf die Frage der Zulassungstests zu konzentrieren, so berechtigt ist die Notwendigkeit, den Blick zu öffnen und das Gesamtvorhaben ins Visier zu nehmen.

Was nützt ein guter Bewerbungstest allein, wenn man zum Physikum „rausgeprüft“ wird – ein gängiger Begriff an den medizinischen Fakultäten, weil in der ungewohnten Fülle von Studienstoff ein Untergang mit Ansage nicht abzuwenden war?

Wenn ein Vorsemester Medizin auf Inhalte der ersten beiden Studienjahre und also des Physikums vorbereitet – beispielsweise in Anatomie, Physiologie und Biochemie (dem Angstfach schlechthin), so kann dies unter allen Umständen für einen erfolgreichen – und sicher auch weniger stressigen und risikovollen – Studienverlauf nur von Vorteil sein.

Man kann die Dinge auf sich zukommen lassen – man kann aber auch das Heft des Handelns in die Hand nehmen. Beurteilen und entscheiden muss jeder für sich selbst – wie immer im Leben.