Arzt: Job, Berufung oder Profession?

Ein Beitrag von unserem Dozenten Dr. U. Grube

Ist der Arztberuf ein normaler Job oder braucht es eines inneren Dranges nach Hilfe und Fürsorge für Kranke, Leidende, Behinderte, die es immer gibt und geben wird. Oder handelt es sich vielleicht mit der begriffliche Fassung „Arzt“ einfach nur um den Ausdruck des Übergangs vom unbezahlten Helfer zum professionellen (bezahlten) Tun – bedingt durch ein auf akademischem Wege erworbenen Spezialwissen, das obendrein noch eine gesellschaftliche Sonderstellung einnimmt?

Vertrauen in Wort und Tat rechtfertigen

Die Beantwortung dieser Frage ist gegenwärtig Gegenstand vieler Meinungsäußerungen in Berufskreisen, aber auch von Patienten, Politikern und Bürgern, die Anteil nehmen an einer sehr breiten und offeneren Diskussion um die Tätigkeit des Arztes. Maßstab beruflicher Anerkennung – vor allem des Arztberufes – ist und bleibt die Vertrauenswürdigkeit in Wort und Tat. Es wird dabei erwartet, dass sorgfältiger und sauberer gearbeitet wird als alle anderen, die ihre Tätigkeit nur mit einer Jobmentalität verrichten. Wenn man so will, ist beim Arzt eine besondere innere Einstellung gefordert. Anders formuliert: es wird nicht nur eben so etwas geleistet, sondern man fühlt sich zu dieser Tätigkeit bewogen – oder berufen oder gar verpflichtet aus eigenem Empfinden heraus.

Verantwortung von Anfang an

Bedeutsam wird dies besonders bei Hilfesuchenden – den Patienten, die in einem Zustand der Angst und Abhängigkeit den hoffentlich helfenden Arzt aufsuchen. Der Arzt hat sich nicht nur durch ein förmliches Gelöbnis – den Eid – dazu bekannt, sondern er löst in der täglichen Arbeit mittels fürsorglicher Fragen nach der Begrüßung („Wo fehlt es denn? Kann ich helfen?“) ein Versprechen ein, den Erwartungen auf Hilfe gerecht zu werden – dazu befähigt durch seine speziellen Kenntnisse.

Diese und weitere Aspekte sollten, ja müssten eigentlich bei dem Wunsch und dem Begehren nach einem Studienplatz in der Medizin neben dem Erreichen eines sehr guten Abiturabschlusses eine sehr große Rolle spielen. Bei der individuellen Entscheidung ist neben den Regularien der Bewerbung eine Art von Selbstfindung erforderlich über die eigenen Ansprüche, über Lernbereitschaft, Konsequenzen und Verantwortung. Für andere hilfreich sein zu wollen, erfordert das Wachsen einer inneren Bereitschaft, einer inneren Haltung dazu. Und die ist nicht eben mal so a priori existent, wenn sie denn belastbar sein soll.

Dieser Prozess sollte sich aber nicht nur im Durchhaltevermögen bei einer beträchtlichen Anzahl von Wartesemestern ausdrücken. Zu empfehlen neben Praktika im gesamten Gesundheitswesen ist unbedingt, alle Möglichkeiten des Kennenlernens des Medizinbetriebes zu nutzen – schon um den nicht immer leichten Studienbeginn erfolgreich zu bestehen. Außerdem sind der Vorerwerb fachbezogener Kenntnisse sowie eine Sichtweise auf die Gesamtzusammenhänge bei dem erwünschten Berufsbildes eine sehr gute Vorbereitung auf das Studium. Überdies trägt eine solche Vorbereitung erheblich zur Festigung seiner Entscheidung zur Berufswahl bei.

Wer ist ein Arzt aus Berufung?

Vorausblickend kann man sich auch darüber im Klaren werden, dass ein Arzt neben sehr viel Arbeitsbereitschaft und Verständnis für die Probleme seiner Patienten ständig auch ein Lernender sein muss. Die Entwicklung in der medizinischen Wissenschaft verläuft wie in allen Bereichen rasant. Neue wichtige Erkenntnisse, Erfahrungsaustausch, ständige Fortbildung und das Erlernen neuer Techniken erfordern stetige Teilhabe am wissenschaftlichen Leben neben der ärztlichen Tätigkeit. Der Arzt aus Berufung unterschiedet sich von einem berufsausübenden Kollegen gewaltig, nicht nur im aufgebrachten Zeitaufwand, sondern auch in der Mitwirkung bei der Lösung aller mit einer Erkrankung des Patienten einhergehenden Probleme.

Wo liegt „der Hase im Pfeffer“?

Gerade die Vermittlung diesbezüglicher Eigenschaften und Haltungen ist offenbar leider nicht ausreichend machbar während des Studiums oder auch schon bei der Auswahl der Bewerber. Anders ist nicht erklärbar, dass nur etwa 40 Prozent der Absolventen eines Medizinstudiums eine Arbeit als Arzt in der Patientenversorgung aufnehmen. Sicherlich spielen auch Einkommensunterschiede zu anderen Branchen eine Rolle (Pharmaindutrie, IT-Branche, Beschäftigungsmöglichkeiten im Ausland). Ein gefestigtes Bild oder gar eine belastbare Einstellung zum eigentlichen Auftrag des Arztberufes liegt in diesen Fällen nicht vor – daran ändert auch eine Berufung auf die freie Berufswahl nichts.
Bedingt durch den sehr großen Andrang (42.000) beim Medizinstudium, der mit dem NC und einer Reihe von Eignungstests verschiedenster Art einher geht, ergibt sich eine eigentlich unzumutbar hohe Anzahl von Wartesemestern bis zum gewünschten Studienbeginn. Dies steht im Widerspruch zu einem großen aktuellen Problem im Bereich der praktizierenden Mediziner, das sich im gesamten gesellschaftlichen Leben niederschlägt – das Generationenproblem in der deutschen Gesellschaft. Im ärztlichen Sektor treten Versorgungslücken auf…
In absehbarer Zeit stehen sicherlich nicht mehr Studienplätze zur Verfügung (außer an privaten Hochschulen vielleicht). Trotz verbaler Betonung der Wichtigkeit des Bildungssektors für die Zukunft – Änderung ist nicht in Sicht. Finanzierbar in diesem reichen Land wäre sie gewiss – aber politisch gewollt? Es bleibt bei einer Mangelverwaltung, die sich jetzt und wohl auch künftig diverser Auswahlkriterien bedient (NC, Eignungstests). Letztere erfahren neue Variationen (MMI).

Was kann ich tun?

Klug und vorausschauend ist es, bei hoffentlich weiter bestehendem Studienwunsch MEDZIN Möglichkeiten zu nutzen, die natürlich unpopuläre Wartezeit durch Widerholung und Neuerwerb naturwissenschaftlicher Kenntnisse auf Abiturniveau zu nutzen, berufsrelevante Fertigkeiten und Handgriffe zu erlernen, medizinische Bereiche und das ärztliche Berufsbild konkret kennenzulernen sowie naturwissenschaftlich-medizinische Wissensgebiete zu erweitern und zu vertiefen.