Landärztemangel und was nun?

Aus vielen Medienberichten, Reportagen, Berichten der Kassenärztlichen Bundes-vereinigung, der Landbevölkerung und von den Landärzten selbst weiß nun selbst der Letzte in Hintertupfingen, dass wir seit ganz bestimmt langer Zeit Ärztemangel haben, der besonders im ländlichen Raum, aufgrund von vorgegebenen kassenärztlichen Rahmenbedingungen und den örtlichen Gegebenheiten, bedauerlicherweise mit Sicht auf die mehr und mehr alternde Landbevölkerung, sehr ausgeprägt ist.

Allgemein zeichnen sich aus Ergebnissen der Ärztestatistik zum 31.12.2013 klare Trends ab. Die Ärztezahlen steigen zwar moderat an, aber trotzdem bestreitet keiner, dass bereits heute keine flächendeckende, wohnortsnahe Versorgung im ländlichen Raum mehr möglich ist. Diese Situation wird in Zukunft nochmals verstärkt werden durch die Einführung von neuen Behandlungsmethoden, des demografischen Wandels der Gesellschaft, der Behandlungsintensität und noch weiteren nicht abschließend aufgeführten anderen Faktoren. Die jährliche hohe Abwanderung, die auch keine Eintagsfliege mehr ist, unserer gut und kostenintensiv ausgebildeten Ärzten sollte uns veranlassen, nach Gründen im Berufsalltag zu forschen und Veränderungen anzustreben. Internationale Hilfe zur Bewältigung des Versorgungsauftrages der medizinischen Versorgung der Bürger in der Bundesrepublik Deutschland bekommen wir durch eine sehr hohe Zuwanderung, überwiegend aus Griechenland und den osteuropäischen Ländern. Ungefähr 1/3 der Erstanmeldungen bei den Ärztekammern beträgt der Anteil der ausländischen Ärzte, die damit einen wesentlichen Beitrag zur Abfederung unserer Nachwuchsprobleme leisten. Auch der sehr positive Trend der „Feminisierung“ der Ärzteschaft nimmt erfreulicherweise zu und so liegt bei den Erstanmeldungen bei den Ärztekammern ein ausgesprochen ausgeglichenes Verhältnis vor.

Zurück zur ärztlichen, wohnortsnahen Versorgung im ländlichen Raum. Hier sind gerade kassenärztlich gegebene Rahmenbedingungen und örtliche Infrastrukturen für Haus- und Fachärzte noch denkbar schlecht. Die Budgetierung und die zu gering bemessene Behandlungszeit mit der alternden, räumlich verstreuten Landbevölkerung gehen oft einfach an der Realität vorbei. Ein sehr eindrucksvolles und aussagekräftiges Beispiel eines Landarztes des Herrn Jörg Oberheim ist von Leonie Achtnich in der Zeit Online veröffentlicht worden. Dort handelt es sich um einen praktizierenden Landarzt, welcher versucht, einzelkämpferisch im Sinne der Patienten zu handeln. Er nutzt die neuen Möglichkeiten der Lockerungen wie die Aufhebung der Altersbeschränkung der Ärzte, der Anstellung von Ärzten und die Teilzeitbeschäftigung von meistens Ärztinnen. Nebenbei übernimmt er noch die Praxis aus der Nachbarschaft, die trotz Teilzeitangebot keinen Nachfolger findet.

So gibt es auch Gemeinden, die Ärzten zur Niederlassung schon Häuser kaufen, um so einen neuen Anreiz zur Niederlassung zu schaffen. Auch landesspezifische Regelungen wie beispielsweise in Sachsen erfüllen eine Vorreiterrolle. Das Land Sachsen unterstützt finanziell Medizinstudenten, wenn sich diese wiederum verpflichten, später aufs Land zu gehen.

Fazit: Es besteht unbestreitbar Handlungsbedarf!

Von Vorteil wäre eine bundesweite Bündelung von Maßnahmen mit Seitenblick auf gut funktionierende Gesundheitssysteme in anderen Ländern wie Schweiz, Norwegen etc.

 

Quellen

http://www.zeit.de/2011/22/C-Landarzt

http://www.bundesaerztekammer.de/downloads/Stat12Abbildungsteil.pdf

Statistik der BÄK, Statistisches Bundesamt