Landarztquote

Aus der im Masterplan Medizinstudium 2020 festgeschriebenen geplanten “Stärkung der Allgemeinmedizin” resultierte die sogenannte “Landarztquote”, die den Ländern ermöglichen soll einen weiteren Anreiz dafür zu schaffen, dass sich junge Ärztinnen und Ärzte im ländlichen Raum als Allgemeinmediziner niederlassen.

Was bedeutet die Landarztquote für das Bewerbungsverfahren?

“Die Länder können bis zu 10 Prozent der Medizinstudienplätze vorab an Bewerberinnen und Bewerber vergeben, die sich verpflichten, nach Abschluss des Studiums und der fachärztlichen Weiterbildung in der Allgemeinmedizin für bis zu zehn Jahre in der hausärztlichen Versorgung in unterversorgten bzw. durch Unterversorgung bedrohten ländlichen Regionen tätig zu sein.” [1]

Studierende bzw. Studienbewerber sollen außerdem besser informiert werden über die Möglichkeit finanzieller Förderungen, wenn z.B. ganze Ausbildungsabschnitte im ländlichen Raum absolviert werden. In Sachsen können sich Medizinstudierende um ein Hausarztstipendium bei der Kassenärztlichen Vereinigung bewerben.

In Nordrhein-Westfalen, das die Landarztquote eingeführt hat, ist das Landeszentrum für Gesundheit des Landes Nordrhein-Westfalen (LZG NRW) mit der Durchführung der Landarztquote betraut. [2]

Folgende Auswahlkriterien werden bei der Bewerbung für die Landarztquote in NRW berücksichtigt:

  • Abiturdurchschnittsnote
  • ein Studierfähigkeitstest (z.B. TMS)
  • einschlägige Berufsausbildungen und Berufstätigkeiten
  • Auswahlgespräch (Auswahlkommission prüft soziale und ethische Kompetenzen sowie die Beweggründe der Bewerbungen auf der Grundlage standardisierter Interviews und Simulationen)

In welchen Bundesländern gibt es eine Landarztquote?

Nordrhein-Westfalen war das erste Bundesland, welches die Landarztquote eingeführt hat. Zum Wintersemester 2019/2020 werden erstmals 170 Studienplätze (7,6% der Studienplätze außerhalb des sonstigen Vergabeverfahrens) an Bewerberinnen und Bewerber vergeben, die sich vertraglich verpflichten 10 Jahre in einer unterversorgten Region hausärztlich tätig zu sein. [3] Wer den Vertrag nach dem Medizinstudium und (in) der Facharztweiterbildung nicht erfüllt, muss mit Strafzahlungen von bis zu 250.000€ rechnen. [4]

In Sachsen-Anhalt wird die Landarztquote ab dem Wintersemester 2020/2021 kommen. [8] Zwanzig Studienplätze sollen über diese Quote vergeben werden. Das entspricht 5% der zur Verfügung stehenden Medizinstudienplätze im Bundesland. Für mindestens 10 Jahre verpflichten sich die Bewerberinnen und Bewerber in einer unterversorgten Region oder einer von Unterversorgung bedrohten Region hausärztlich tätig zu sein.

Auch Bayern hat die Landarztquote bereits fest eingeplant. Hier sollen 5,8% der Studienplätze gesondert vergeben werden. [9]

Rheinland-Pfalz hat eine Landarztquote von 6,3% vorgesehen. [10] Dies entspricht 27 Medizinstudierenden pro Jahr. Die ersten Bewerberinnen und Bewerber werden zum Wintersemester 20/21 ihr Studium aufnehmen.

Im Saarland wurde im Mai 2020 eine Quote von 7,8% beschlossen. [11] Bereits im Wintersemester 21/21 soll es für dann etwa 22 Medizinstudierende losgehen.

Auch in Baden-Württemberg hat man sich im Dezember 2019 auf eine Landarztquote geeinigt. Von 150 neu geschaffenen Studienplätzen sollen 75 an Studienanfänger gehen, die sich zu einer späteren Tätigkeit als Landarzt verpflichten.

Mecklenburg-Vorpommern hat im Januar 2020 den Weg für eine Landarztquote geebnet. Von 400 Medizinstudienplätzen in Greifswald und Rostock sollen 32 über die neue Quote vergeben werden.

Weitere Bundesländer, in denen die Landarztquote geplant ist bzw. diskutiert wird: [5]

  • Schleswig-Holstein: Die Ärztekammer hat die Landarztquote im September 2019 abgelehnt.
  • Niedersachsen: geplante Quote von 10% solle spätestens bis zum Wintersemester 21/22 kommen
  • Sachsen
  • Hessen

Kritik an der Landarztquote

Kritische Stimmen werden in der Diskussion um die Einführung der Landarztquote laut. Der Marburger Bund, als größter deutscher Ärzteverband, hat sich auf seiner Hauptversammlung mehrheitlich kritisch gegen die Einführung einer Landarztquote ausgesprochen. [5]

Die Sächsische Landesärztekammer hat bereits in einer Kammerversammlung im Jahr 2016 ein klares “nein” zur Landarztquote formuliert. “Die Verpflichtung, später auf dem Land zu arbeiten, verlangt Medizinstudierenden bereits zu einem frühen Zeitpunkt weitreichende Entscheidungen ab, schon bevor der medizinische Nachwuchs einen realistischen Einblick in die ärztliche Tätigkeit gewinnen kann. Dies ist weder im Sinne der künftigen Ärzte, noch im Sinne der Patienten.” [6] Stattdessen fordert die SLÄK eine Erhöhung der Anzahl der Studienplätze und formuliert, es müssten andere Anreize geschaffen werden, junge Ärzte in die ländlichen Gebiete zu “locken”. Der Beruf des Allgemeinmediziners müsse lukrativer gestaltet werden.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass sich Engpässe in der Versorgung nicht nur bei Hausärzten auf dem Land abzeichen und spürbar werden, sondern auch Kliniken im ländlichen Raum bzw. einige Facharztdisziplinen sogar in manchen Stadtteilen schwer zu besetzen sind.

Weiterführende Links

Einzelnachweise

  1. Masterplan Medizinstudium 2020 auf bmbf.de
  2. Pressemitteilung zur Landarztqute in NRW
  3. Artikel auf www.aerzteblatt.de
  4. „Wo kommt die Landarztquote“? auf hartmannbund.de
  5. Kritik an der Landarztquote auf marburger-bund.de
  6. Pressemitteilung der Sächsischen Landesärztekammer
  7. https://www.marburger-bund.de/bundesverband/pressemitteilung/landarztquote-schafft-keine-zusaetzlichen-aerzte
  8. https://www.landarztquote-sachsen-anhalt.de/index.php?id=10261
  9. https://www.landarztquote.bayern.de/
  10. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/112653/277-Bewerbungen-fuer-21-Landarztstudienplaetze-in-Sachsen-Anhalt
  11. https://www.saarland.de/las/DE/themen/landarztprogramme/landarztquote/